Gedanken tanken am Sonntag: Von Früh- und Spätaufstehern und der Sache mit dem Perfektionismus

Perfektionismus im Alltag

Kennst Du das? Damit der Alltag Dir leicher von der Hand geht, versucht man alles möglichst durchzustrukturieren. Man versucht auch, mithilfe gesellschaftlicher Normen einen Ablauf zu entwickeln, der möglichst auch noch  Sinn macht und das Leben vereinfacht und Zeit spart. Oft jedoch, ist es so, daß man mit solchen aufgestellten Strukturen gegen sich selbst arbeitet. Wie  kann das sein? Mein heutiger Blogpost ist ein  Plädoyer dafür, den Perfektionismus auch einmal hinter sich zu lassen und sich selbst zu leben.

Von Lärchen und Eulen

Letzte Woche war ich auf einem Geburtstag.  Ein Thema, welches wir angeregt dort erläuterten, war der Unterschied zwischen Früh- und Spätaufsteher. Ich, als Frühaufsteher, erzählte, daß ich oft morgens schon um halb sechs aufstehe, um meine Morgenroutine zu schaffen. Das macht mir überhaupt nichts aus. Im Gegenteil, ich bin morgens, frisch, wach, voller Tatendrang und kreativ. Ich bin also eine sogenannte „Lärche“. Dieser Art von Menschen fällt es sehr leicht,früh aufzustehen. Sie werden abends dafür aber relativ schnell müde. Das ist bei mir auch so. Spätestens um 22.00 Uhr fallen mir die Augen zu. Oft auch früher.
Bei den sogenannten „Eulen“ ist das genau anders herum. Diese sind abends noch lange fit. Ich kenne einige, die sogar erst gegen 01.00 Uhr morgens zu Bett gehen. Allerdings fällt es denen dann schwer, morgens aufzustehen und in die „Puschen zu kommen“.

Schrecklich unperfekt

Auf allgemeines Unverständnis stieß ich in unserer Geburtstagsrunde, als ich erklärte, daß ich abends die Küche nach dem Abendessen auch einmal unaufgeräumt lasse und die Arbeit erst am nächsten Morgen erledige. Da erntete ich von dem Ein – oder Anderen ein missbilligendes Kopfschütteln.
Mit einem Mal wurde mir bewußt, daß ich mich früher niemals, genau aufgrund dieser Situation, getraut hätte, dies zuzugeben. Ich wäre vor Scham im Boden versunken, abseits der gesellschaftlichen Norm gegen den Strom zu schwimmen. Ich war die Verfechterin des Perfektionismus schlechthin. In mir hat sich aber in dem vergangenen Jahr etwas geändert.

Innere Haltung ändern

Ich war in der Vergangenheit so krank, daß ich schlußendlich als „letzten Strohalm“ meine Ernährung umstellte. Unter anderem ernähre ich mich aus Überzeugung ausschließlich von Biolebensmitteln. Etwas anderes wurde mir jedoch ebenfalls klar: Ich kann nicht immer die Erwartungen meiner Mitmenschen erfüllen. Erst recht nicht, wenn Sie überhaupt nicht von den Folgen meines Handelns betroffen sind. Genau so verhält es sich eben mit meiner unaufgeräumten Küche am Abend. Ich schade dadurch niemandem, nicht einmal mir selbst. Die Arbeit geht mir eben morgens nämlich besser von der Hand. Innerhalb von Minuten glänzt dann auch die Küche wieder. Natürlich riecht es, wenn Essensreste stehen bleiben. Aber dann lüftet man eben morgens ein wenig länger durch. Frische Luft am Morgen ist gesund und gibt nochmal einen zusätzlichen Energieschub.

Heilende Einsichten

Es geht mir deutlich besser damit, auch zu meinen Verhaltensweisen zu stehen, auch wenn Sie in den Augen der Gesellschaft „abnormal“ sind. Früher dachte ich, wenn ich weniger perfekt bin, bin ich weniger liebenswert. Aber dem ist nicht so. Auch wenn man Kopfschütteln erntet, wird man um seiner selbst Willen gemocht und nicht, weil man seine Küche abends aufräumt.
Ich glaube inzwischen fest daran, daß der Perfektionismus in unserer Gesellschaft überhand nimmt. Er erlaubt einem zwar durchstrukturiert den Alltag zu takten, aber man selbst bleibt auf der Strecke.

Sich selbst am nächsten sein

Mir, als durchstrukturiertem und hoch perfektionistischem Steinbock, der immer gerne unangreifbar war, fiel diese Einsicht nicht leicht. Es ist auch heute noch nicht immer einfach für mich, daran zu arbeiten. Jeden Tag aufs Neue, versuche ich zu begreifen, warum ich erst einmal mir selbst am nächsten sein muß. Das hat nichts mit Egoismus zu tun, sondern mit einer gesunden und gesund machenden inneren Haltung zu sich selbst. Es bedeutet auch Achtung vor sich selbst und seinem Leben zu haben.

Von dieser Haltung profitieren schlußendlich auch unsere Mitmenschen, denn wenn es uns gut geht, können wir auch der Gesellschaft und uns nahestenenden Menschen etwas zurückgeben, ohne, daß wir uns dabei selbst aufgeben.

Bloglinks:

Interessante weiterführende Artikel über den Perfektionismus, kannst Du hier lesen:

„Ungesunden Perfektionismus ablegen: So funktioniert es“ von Jasmin

„Warum ich 100 Fehler in diesem Jahr machen will“ von Klara

 

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